Jetzt ist auch die Strategie klar, mit der der designierte OB-Kandidat der Düsseldorfer CDU, Dr. Stephan Keller, in den Wahlkampf gegen Amtsinhalber Thomas Geisel ziehen will: Er will die umstrittene Umweltspur wieder abschaffen.

„Wenn ich Oberbürgermeister bin, schaffe ich die Umweltspuren ab. Ich wohne in Wersten und habe früher 14 Minuten in die Stadt gebraucht, heute sind es 40. Wir hatten einst die beste grüne Welle Europas, wo ist sie hin? Künstlicher Stau bedeutet mehr Emissionen, das ist nicht sinnvoll.“

Immerhin kann man unterstellen, dass Stephan Keller weiß, worüber er spricht – schließlich war er fünf Jahre lang, von 2011 bis 2016, Verkehrsdezernent in Düsseldorf war.

OB-Kandidat Keller: So hält er es mit den rheinischen Gewissensrage.

Die Frage etwa, wie er es mit Kölsch und Alt halte (kürzlich hatte er das mit „Ganz klar: ein kühles Kölsch“ beantwortet), sieht Keller inzwischen vorsichtiger: „Ich bin von Geburt an Kosmo-Rheinländer. Mein Vater ist gebürtiger Düsseldorfer, meine Mutter kommt aus dem Kölner Raum, ich bin in Aachen aufgewachsen, wo es in den Kneipen Alt, Kölsch und Pils gibt. Ich bin da flexibel.“

Und auf die Frage, ob er zu den Spielen des 1. FC Köln gehe, entgegnet er: „Ja, aber nicht öfter als zu Fortuna.“

OB-Kandidat Keller: Und wie kam es zur Rolle rückwärts?

Auch nicht so ganz leicht zu beantworten ist für Keller die Frage, warum er vor ziemlich kurzer Zeit eine Ob-Kandidatur in Düsseldorf vehement ausgeschlossen hat und jetzt doch antreten will.

Es ist ein Satz, der CDU-Übervater Konrad Adenauer zugeschrieben wird (auch wenn das wohl so ganz nicht stimmt): „Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern?“ Dieser Satz scheint ja nun auf den anderen CDU-Mann Stephan Keller zuzutreffen.

OB-Kandidat Stephan Keller: Vor 300 Tagen dementierte er noch heftig

Es ist genau 300 Tage her, man schrieb den 6. April 2019, da verwies Keller im Gespräch mit dem EXPRESS alle Spekulationen, er könne OB-Kandidat der CDU in Düsseldorf werden, weit von sich: „Nein, ich werde nicht für das Amt des Oberbürgermeisters von Düsseldorf kandidieren.“

Am Donnerstag bestätigte er dann das genaue Gegenteil: „Ja, ich stehe zur Verfügung“, soll er gesagt haben, wie der Kreisgeschäftsführer der CDU, Bernhard Herzog, bestätigt. „Und diese Ankündigung freut uns natürlich sehr.“

Nun sagt Keller in der RP, dass er damals noch viele Aufgaben in Köln gesehen habe, die nun erledigt seien. „Ich kann den Blick jetzt auf auf anderes richten und finde als Düsseldorfer, dass unsere Stadt den Wechsel braucht.“

OB-Kandidat Stephan Keller: Dann wird er offiziell vorgestellt

Offiziell allerdings will Herzog noch nicht bestätigen, dass Keller als OB-Kandidat in den Kampf ums Rathaus ziehen wird. „Da wollen wir alle den Gremien der Partei nicht vorgreifen – und die entscheiden am kommenden Dienstag.“

In der Landeshauptstadt wurde seit Wochen gerätselt, wen die CDU ins Rennen schicken würde. Unter anderem wurde die frühere Politikerin und Managerin Hildegard Müller als Kandidatin gehandelt, die nun allerdings Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA) wird.

OB-Kandidat Stephan Keller: Diese Namen wurden vorher gehandelt

Ebenfalls gehandelt wurden die Namen der Landtagsabgeordneten und OB-Tochter Angela Erwin und des Handwerkskammer-Präsidenten Andreas Ehlert – aber beide hatten inzwischen abgewinkt.

Nun steht also das Quartett der aussichtsreichsten OB-Kandidaten fest: Neben SPD-Mann und Amtsinhaber Thomas Geisel treten Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann für die FDP und Stefan Engstfeld für die Grünen an.

OB-Kandidat Stephan Keller: So wird im September gewählt

Die Kommunalwahl findet am 13. September statt. Danach werden aller Voraussicht nach die beiden erfolgreichsten OB-Kandidaten noch in eine Stichwahl gehen müssen.

Der Jurist Stephan Keller ist gebürtiger Aachener, verheiratet und Vater von drei Kindern.

Die Spitze der Stadt war 15 Jahre lang in der Hand der CDU. 2014 löste der ehemalige Manager und SPD-Politiker Thomas Geisel in einer Stichwahl Amtsinhaber Dirk Elbers (CDU) ab. Vor wenigen Tagen war Geisel in den Wahlkampf eingestiegen, indem er eine Internet-Seite zur Wahl scharf schaltete und mehrere Unterstützer vorstellte. (mik)